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Eine Teilung stand am Beginn des langen Weges der Deutschen zu einer Nation. Ludwig der Fromme,
der schwache Sohn Karls des Großen, hatte das mächtige Reich des Vaters nur noch mühsam
zusammenhalten können, und unter den Enkeln des großen Kaisers brach es dann morsch
auseinander. 843 einigten sich diese drei nach langen Streitereien in Verden, dem heutigen
Verdun: Lothar, der Älteste, erhielt die Kaiserwürde, dazu Italien und einen verhältnismäßig
schmalen Streifen, der von den Alpen im Süden bis nach Friesland im Norden reichte. Das Land
westlich davon fiel an Karl den Kahlen. Aus ihm ging das spätere Frankreich hervor. Östlich
des Rheins aber, bis zur Elbe, Saale und Donau erstreckte sich das ostfränkische Reich
Ludwigs des Deutschen. Ein Vierteljahrhundert später wurde die Grenze dieses Reiches noch
einmal geringfügig nach Westen verschoben. Dann blieb sie als Grenze zwischen Frankreich
und Deutschland unverändert das ganze Mittelalter hindurch bestehen, nicht nur als politische
Trennungslinie, sondern mit kleinen Abweichungen auch als Sprachgrenze. Der Westen sprach das
aus dem Latein hervorgegangene Französisch, der Osten dagegen die "Volkssprache", die
"Lingua theodisca", wie sie im Gegensatz zum Latein des gelehrten Klerus genannt wurde.
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Karl der Kahle,
aus einer Handschrift,
die für ihn selbst
zwischen 842 und 869
von Liuthard in goldener
Unzialschrift verfaßt
worden ist
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Das neue ostfränkische Reich hatte damit eine eigene Sprache und seine eigenen Könige. Schwache
Könige allerdings, die sich weder im Innern durchsetzen, noch die drohenden Gefahren an den
Grenzen abwenden konnten. Normannen im Norden, Sarazenen im Süden, Mährer und Ungarn im Osten
und Südosten bedrängten die Grenzen und fielen mit fester Regelmäßigkeit in das Reich ein und
plünderten. Die Uneinigkeit im Innern erleichterte noch diese Raubzüge; denn zwischen den
adeligen Geschlechtern tobten Fehden und Blutrache. Niemand trauerte daher dem Aussterben des
karolingischen Herrscherhauses nach, das mit dem Tod des achtzehnjährigen Ludwig IV. im
Jahr 911 erlosch.
Noch einmal wählten die Großen des Reiches mit dem Frankenherzog Konrad einen nahen
Verwandten der Karolinger, aber der neue König hatte es in den wenigen Jahren seiner Regierung
nicht leicht; denn zu mächtig waren inzwischen die Stammesherzöge geworden. Konrad I. war ein
glückloser Herrscher, aber ein weitschauender Politiker. Noch auf dem Sterbebett empfahl er,
den mächtigsten seiner früheren Gegner, den Sachsenherzog Heinrich, zu seinem Nachfolger zu
wählen. Die Sage erzählt, dieser habe die Nachricht von seiner Wahl beim Vogelfang erhalten,
doch sah die Wirklichkeit weit prosaischer aus. Nur der Adel aus Sachsen und Franken wählte ihn,
während sich die Süddeutschen abseits hielten. Fast schien es, als sollten die Stammesherzöge
mächtiger bleiben als der König. Trotzdem gilt 919, das Jahr der Thronbesteigung Heinrichs, zu
Recht als das Geburtsjahr des ersten deutschen Reiches.
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Karolingische Reiterei
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Trotz verschiedener Schwächen bleibt
dieses Reich auch über Jahrhunderte hinweg bestehen und wird zu einem entsprechenden politischen
Faktor in Mitteleuropa. Das Königtum gewann nicht nur an Ansehen, sondern half mit bei der
Formung des Reiches und damit der deutschen Nationen.
Nur hundert Jahre regierten die Könige aus dem sächsischen Stamm, aber diese Zeit bildete eine
wichtige Phase mittelalterlicher deutscher Geschichte. Heinrich I. erreichte, was seinem
Vorgänger nicht gelungen war: er setzte die königliche Gewalt gegenüber den Herzögen durch und
fügte die deutschen Stämme in dem neuen "Regnum Teutonicum" - dem Reich der Deutschen - zusammen.
Auf dieser Leistung konnte sein Sohn Otto I. weiterbauen, der einzige deutsche König, dem die
Geschichte den Beinamen "der Große" verlieh. Energisches Vorgehen im Innern wie an den Grenzen
des Reiches kennzeichnen seine Regierung. So bannte er 955 in der Schlacht am Lechfeld bei
Augsburg für immer die Bedrohung des jungen Reiches durch die Ungarn. Gegenüber den Herzögen
festigte er die königliche Gewalt, und 962 ließ er sich in Rom zum Kaiser krönen. Es war die
Geburtsstunde des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen"; denn von nun an blieb die
römische Kaiserkrone den deutschen Königen vorbehalten, zugleich aber verbanden sich deren
Schicksale eng mit Italien und dem Papsttum.
Ein wechselvolles Auf und Ab, ein gelegentliches Miteinander und weit häufigeres Gegeneinander
von Kaiser und Papst kennzeichnen die Geschichte des Mittelalters, und noch heute schwelt der
alte Streit um Wert und Unwert deutscher Italienpolitik. Otto I. hatte, wie es schien, durch
sein energisches Vorgehen in Rom ein klares Nebeneinander von Papst und Kaiser geschaffen.
Aber schon ein Jahrhundert später sollte sich zeigen, daß diese Ordnung keineswegs klar genug
abgegrenzt war, sondern sich in das Gegenteil verkehrte.
Den sächsischen Königen folgte das fränkisch-salische Geschlecht. Die beiden ersten Herrscher
aus diesem Haus führten Deutschland zu machtvoller Größe. 1033 gewann Konrad II. im Westen das
Königreich Burgund, das nun zusammen mit dem Reich und Italien den dritten Teil des
römisch-deutschen Imperiums bildete. "An Konrads Sattel hängen Karls Steigbügel" sagten die
Zeitgenossen und verglichen ihren Kaiser mit Karl dem Großen. Sein Sohn und Nachfolger
Heinrich III. vollendete das Werk des Vaters und hielt vor allem in Italien energisch Ordnung.
So ließ er gleich drei rivalisierende Päpste absetzen und den Bamberger Bischof Suidger zu
ihrem rechtmäßigen Nachfolger wählen. Auch die beiden nächsten Päpste kamen aus Deutschland
und waren Schützlinge Heinrichs. Als dieser aber, erst neununddreißigjährig, 1056 starb,
änderte sich die politische Lage schlagartig.
Sein Sohn Heinrich IV. war ein sechsjähriges Kind
und abhängig von den deutschen Fürsten. In Italien schien für das Papsttum nun die Stunde
gekommen, sich aus der kaiserlichen Bevormundung zu lösen. Als 1073 Gregor VII., ein ungemein
energischer ehemaliger Mönch, in Rom den Stuhl Petri bestieg, bahnte sich die entscheidende
Kraftprobe zwischen dem römischen Papst und dem deutschen Kaiser an. Gregor wollte das
Papsttum von jedem Einfluß weltlicher Gewalt befreien. Der offene Streit entzündete sich an
dem alten Recht des deutschen Königs, von sich aus Bischöfe einzusetzen, das nun der Papst
allein für sich beanspruchte. Heinrich verfügte über keinen Rückhalt bei den deutschen Fürsten.
Als ihn der Papst bannte, beschlossen diese sogar seine Absetzung, wenn er sich nicht binnen
Jahresfrist von der im Mittelalter so bedeutsamen Kirchenstrafe würde lösen können. Daraufhin
zog Heinrich 1077 im strengsten Winter mit nur wenigen Getreuen nach Oberitalien, wo Gregor
in der Burg Canossa weilte. Durch demütige Buße erreichte zwar der junge Herrscher die
Lösung vom Bann, doch hatte die Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Papst damit keineswegs
ihr Ende erreicht.
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König Heinrich IV.
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Bald war der Streit in neuer Heftigkeit entflammt, und erst unter Heinrich V.
kam es zu einem Kompromiß, der weder Kaiser noch Papst einen vollen Erfolg brachte. Gewinner
waren die deutschen Fürsten und die italienischen Städte, die in diesen unruhigen Jahrzehnten
ihre Macht stärken konnten.
Als 1137 das schwäbische Geschlecht der Staufer die deutsche Königswürde erlangte, machte sich
diese doppelte Belastung unheilvoll bemerkbar. Trotzdem war es eine glanzvolle Zeit, die ihren
Höhepunkt mit der Regierung Friedrichs I. Barbarossa erlebte. Er galt als das große ritterliche
Vorbild, ein gleichermaßen hervorragender Staatsmann wie Feldherr, unter dessen Herrschaft auch
die Literatur und die bildende Kunst einen Höhepunkt erlebten und von deren einstiger Größe
heute noch zahlreiche Burgen und stattliche Ruinen zeugen. Aber diese hohe Zeit des Rittertums
hatte auch ihre dunklen Seiten. Wie seine Vorgänger mußte sich Barbarossa mit den Machtansprüchen
der Fürsten auseinandersetzen. Der Welfe Heinrich der Löwe, gleichzeitig Herzog von Bayern und
Sachsen, war stark genug, um eigenmächtige selbständige Politik treiben zu können. Barbarossa
seinerseits suchte zuerst die Position des Kaisertums im Süden zu stärken und unternahm sechs
Italienzüge. Auch er geriet dabei in einen schweren Konflikt mit dem Papst, auf dessen Seite
sich die lombardischen Städte stellten. Aber klüger als sein Vorgänger Heinrich IV., suchte er
den Ausgleich, der ihm freie Hand gewährte, im Reich gegen den Welfenherzog vorzugehen und
dessen Macht zu brechen.
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Friedrich Barbarossa und seine Söhne - Miniatur aus der Welfenchronik
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Als es Barbarossa gelang, seinen Sohn und Nachfolger mit der Erbin des Normannenreiches in
Unteritalien-Sizilien zu vermählen, stand er auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Ansehens.
Das Reich war befriedet, dem Selbständigkeitsstreben der Fürsten eine deutliche Grenze gesetzt,
und die staufische Herrschaft reichte von der Nordsee bis nach Sizilien, von der Provence bis
nach Pommern. Mit Recht konnte sich Barbarossa als das Haupt des Abendlandes sehen.
Doch schneller als vermutet, brach diese Vormachtstellung des Staufischen Kaisertums wieder
zusammen. Friedrichs Sohn Heinrich der VI. regierte nur acht Jahre, dann raffte ihn ein
tückisches Fieber hinweg. Nie mehr sollte in den folgenden Jahrhunderten das Reich eine
ähnliche Machtfülle nach außen, nie mehr die gleiche Geschlossenheit im Innern erlangen.
Fortan blieb es nur ein Glied in der Kette der neu entstehenden europäischen Nationalstaaten.
Im Innern wurde die kaiserliche Zenralgewalt abgelöst von erneuten partikularistischen
Bestrebungen der Fürsten.
Friedrich II., der Enkel Barbarossas, sah Deutschland nicht mehr als den Kern seines Imperiums,
sondern nur als ein Nebenland, das er vorwiegend von Sizilien aus regierte und in dem er wichtige
königliche Rechte preisgab, um seine Kräfte für eine erneute Auseinandersetzung mit dem
Papsttum frei zu haben. Den deutschen Fürsten kam solche Entwicklung nur zugute, sie wurden die
wahren Landesherren und damit die entscheidenden Träger der innerpolitischen Entwicklung. Damit
änderte sich aber in den folgenden Jahrzehnten rasch die innere Struktur des Reiches.
1254 war mit Konrad IV. der letzte staufische König gestorben. Nach zwei Jahrzehnten der Unruhe,
die Schiller so treffend als "die kaiserlose, die schreckliche Zeit" bezeichnete, folgten von
1273 bis 1347 fünf Könige aus verschiedenen Geschlechtern. Gewählt wurden sie nun von den
"Kurfürsten", dem ursprünglich auf sieben Mitglieder beschränktem Kollegium der mächtigsten
geistlichen und weltlichen Reichsfürsten. Sie waren aber nicht nur "die ersten in des
kysere kore", sondern auch die ersten, die sich bei jeder neuen Wahl schamlos bereicherten.
Um sich ihrerseits gegenüber den Fürsten behaupten zu können, versuchten die Könige ihre
eigene Hausmacht auszubauen, d.h., sie suchten für ihre Familien ein entsprechend großes
Territorium zu erwerben. Der Habsburger Rudolf I. begann dieses Spiel und begründete seine
Hausmacht, indem er die österreichischen Besitzungen der ausgestorbenen Babenberger erwarb.
Eine andere große Hausmacht im östlichen Teil des Reiches begründeten die Luxemburger, die
Böhmen und Mähren für sich gewannen.
In den letzten zwei Jahrhunderten des Mittelalters wandelte sich das innere Bild des Reiches.
Die aus den alten Stammesherrschaften hervorgegangenen Herzogtümer waren längst zerfallen. An
ihre Stelle traten eine Vielzahl von Landesherrschaften. Deutlich verschob sich dabei das
politische Schwergewicht des Reiches von Rhein und Main nach Osten, wo seit dem hohen
Mittelalter im Zuge einer stetigen Kolonisations- und Siedlerbewegung Neuland gewonnen
worden war. Drei der sieben Kurfürsten, nämlich der Herzog von Sachsen (Obersachsen), der
Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen, stammten aus solchen Neusiedelgebieten.
Das Rittertum, einst die Stütze staufischer Kaisermacht, verlor immer mehr an Bedeutung, dafür
gewannen die Städte und ihre Bürger an Ansehen. Zwar lebte immer noch der weitaus größte Teil
der Bevölkerung auf dem Lande, aber die Zahl der Städte wuchs rasch, und gegen Ende des
Mittelalters waren es im Reich schon an die zweitausend, die meisten von ihnen hatten
allerdings kaum mehr als tausend Einwohner. Trotzdem wurden sie zu kulturellen und
wirtschaftlichen Zentren und bildeten die neu aufkommenden Städtebünde, politische
Machtfaktoren, mit denen die Fürsten ernstlich rechnen mußten. So beeinflußte der große
Städtebund der Hanse Politik und Wirtschaft im Norden weit über die Grenzen des Reiches
hinaus und griff sogar in die inneren Angelegenheiten der skandinavischen Länder ein.
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Geschäftiges Treiben
im Hamburger Hafen
(Mittelalterliche Malerei)
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Erstaunlicherweise fehlten äußere Bedrohungen des Reiches über Jahrhunderte hinweg. Otto I.
hatte 955 die Ungarngefahr gebannt. 1241 standen dann, wie aus dem Nichts auftauchend, die
Mongolen im Osten an den Grenzen. Vergebens traten ihnen deutsche und polnische Ritter in
gemeinsamen Kampf entgegen. Nur der Tod des Großkhans in der fernen Mongolei verhinderte
die Überflutung Deutschlands und dann ganz Westeuropas durch die mongolischen Reiterscharen.
Nach 1426 unternahmen die böhmischen Hussiten zehn Jahre lang regelmäßig blutige Raubzüge
in die mittel- und ostdeutschen Gebiete. Trotzdem war das Mittelalter keine Zeit der Ruhe und
des Friedens. Fast regelmäßig kämpften die deutschen Kaiser mit ihren Heeren in Ober- und
Mittelitalien; deutsche Ritter nahmen an den Kreuzzügen teil oder kämpften, als es in
Palästina nichts mehr zu kämpfen gab, mit den Rittern des deutschen Ordens gegen deren
heidnische und christlich-slavische Gegner, und gegen Ende des 14. Jahrhunderts zogen
kaiserliche Heere durch Ungarn gegen die Türken, die neuen Feinde der Christenheit.
Im Reich kam es immer und immer wieder zu Bürgerkriegen, wie man sie nicht anders bezeichnen
kann; denn die Fürsten befehdeten oft genug den König, bekämpften sich untereinander oder
kämpften im späten Mittelalter gegen die Städtebünde. Und wenn die Großen schon einmal
Ruhe gaben, sorgten die Kleinen für Unruhe. Jeder glaubte, von seiner Burg aus irgendwelchen
Nachbarn und vor allem den "Pfeffersäcken" in den Städten den Kampf ansagen zu können.
Symbole allgemeiner Verrottung waren die Fehdebücher der Städte, die sorgfältig geführt
werden mußten, um überhaupt noch zu wissen, welche Herren den Bürgern den Kampf angesagt hatten.
Das ausgehende 15. und beginnende 16. Jahrhundert in Deutschland hat ein Historiker einmal als
die "Zeit der großen Wende" bezeichnet. Tatsächlich erfaßte ein rascher Wandel alle Bereiche
des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Lebens. Im Innern des Reiches
zerfiel die alte ständische Ordnung. Das im Niedergang begriffene Rittertum verlor durch das
Aufkommen der Landsknechte als Fußtruppen endgültig seine militärische Bedeutung. Umgekehrt
wuchs das Ansehen der Bürger in den Städten. Handelsgesellschaften und einzelne Familien wie
etwa die Fugger und Welser in Augsburg leiteten eine Epoche des Frühkapitalismus in Deutschland
ein. Sehr rasch fanden sie Anschluß an den internationalen Markt, der seinerseits wieder durch
die großen Entdeckungen zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen ungeheuren Aufschwung erlebte.
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Jakob Fugger (1459-1525)
gemalt von Albrecht Dürer
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Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg förderte seit der Mitte
des 15. Jahrhunderts den geistigen Gedankenaustausch und damit die von Italien her sich
ausbreitende Geistesströmung des Humanismus. So ist es nur verständlich, wenn der streitbare
Humanist und Dichter Ulrich von Hutten in den Ruf ausbrach: "O Jahrhundert, o Wissenschaft, es
ist eine Lust zu leben!" Auch der Thesenanschlag Luthers 1517, die Geburtsstunde der Reformation,
darf mit unter dem Gesichtspunkt dieser Lust am Disputieren, an der geistigen und geistvollen
Auseinandersetzung mit den anstehenden Problemen gesehen werden, wenn er auch rasch über das
ursprüngliche Ziel hinauswuchs und zum Funken wurde, der einen gewaltigen Brand entzündete,
dessen Wirkung niemand vorausahnen konnte.
Aber die "Lust am Leben" war nicht für alle gleichermaßen gegeben. Politische Rechtlosigkeit,
in einigen Teilen Deutschlands verbunden mit bedrückenden wirtschaftlichen Lasten, führte zu
jenen Unruhen bei den Bauern, aus denen sich der Bauernkrieg entwickelte, den wir besser als
eine erste politische und soziale Revolutionsbewegung sehen sollten. Aber die Bauern waren zu
schwach, um sich gegen Fürsten und Städte durchsetzen zu können. Es sollten noch einmal rund
dreihundert Jahre vergehen, bis einige der neuen freiheitlichen Gedanken wieder aufgenommen und
verwirklicht werden konnten.
Seit 1437 herrschten Könige aus dem Haus Habsburg über das Reich. Das gleiche Herrscherhaus saß
infolge seiner geschickten Heiratspolitik seit Beginn des 16. Jahrhunderts auch in Spanien. Als
nun 1519 die deutschen Kurfürsten den jungen spanischen Habsburger Karl, den Enkel Maximilians I.,
zum deutschen Kaiser wählten, bahnte sich im politischen Bereich ebenfalls eine wichtige Wende an;
denn mit dieser Wahl wurde das Reich in die großen internationalen Spannungen, vor allem in die
Auseinandersetzungen zwischen Karl V. und König Franz I. von Frankreich, hineingezogen. Zur
gleichen Zeit erlebte es an der Südostgrenze eine Bedrohung durch die Türken, die 1529 erstmals
bis nach Wien vorstießen.
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Belagerung Belgrads
durch die Osmanen, 1521
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Unter dieser doppelten Belastung durch die dynastischen Kämpfe im Westen und die Türkengefahr
im Osten entfaltete sich im Innnern die entscheidende religiöse Auseinandersetzung zwischen
den Katholiken, an ihrer Spitze der Kaiser, und den Protestanten, zu denen ein Großteil der
Reichsfürsten gehörte. Dieser religiöse Gegensatz zwischen Fürsten und Kaiser führte zu neuen
innerpolitischen Spannungen, die sich schließlich im Schmalkaldischen Krieg entluden. Zwar siegte
der Kaiser, aber eine erneut aufkeimende Fürstenopposition und ein neuer Krieg gegen Frankreich
zwangen ihn schließlich zum Nachgeben. 1555 wurde in Augsburg ein "Religions- und Landfriede"
geschlossen. Er sicherte den Anhängern des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses die volle
Gleichberechtigung neben den Katholiken, aber nicht der einzelne konnte frei und unbehindert
über seine Religionszugehörigkeit entscheiden, sondern sein Landesherr verfügte über ihn.
"Cuius regio, eius religio - Wessen das Land, dessen der Glaube" wurde zu einem neuen Grundsatz.
Und doch sicherte diese hauchdünne Decke der Übereinstimmung dem Reich für gut ein halbes
Jahrhundert eine halbwegs friedliche Entwicklung, während westlich seiner Grenzen blutige
Religionskriege tobten. Aber die Rechnung war nur aufgeschoben und wurde schließlich um so
höher präsentiert. Als 1618 die kaiserlichen Statthalter von den protestantischen böhmischen
Standesherren aus einem Fenster der Prager Burg geworfen wurden, schien es anfangs noch, als
sei wieder einmal eine jener kleinen lokalen Auseinandersetzungen fällig, an denen die deutsche
Geschichte bisher so reich gewesen war, diesmal unter religiösen Vorzeichen. Aber der
ausbrechende Krieg fand nicht den erhofften raschen Abschluß, zog sich über die Jahre hin und
weitete sich vom innerdeutschen Religionskrieg zum europäischen Krieg, in dem Deutschland
mit doppelter Härte jenes Schicksal traf, von dem es bisher so lange verschont geblieben war:
Kriegsschauplatz zu sein, auf dem sich fremde Völker nach Gutdünken tummeln konnten. Dänemark
griff zuerst in den Kampf ein, Schweden folgte 1630, und 1635 kam schließlich noch Frankreich
dazu.
Nach einem dreißigjährigen Krieg engte der Friede von 1648 das Reich erstmals in seinen
Grenzen ein. Entscheidender noch als diese Gebietsverluste waren aber jene verfassungsrechtlichen
Bestimmungen, die den deutschen Fürsten, selbst den allerkleinsten, die volle Landeshoheit
gewährten, ihnen ausdrücklich das Recht gaben, Bündnisse untereinander und mit dem Ausland zu
schließen. Die alte Einheit des Reiches war damit endgültig zerbrochen. Es blieb nur noch ein
lockerer Zusammenschluß, den ein Zeitgenosse zu Recht ein "staatsrechtliches Monstrum" nannte.
Für mehr als zwei Jahrhunderte löste sich deutsche Geschichte zunehmend auf in die Geschichte
der einzelnen Länder. Noch blieben Reich und Reichsgedanke symbolisiert in der Person des
Kaisers, der fast nur in Wien residierte. Noch gab es sogar ein Reichsheer und Reichsbehörden,
aber kaum mehr unter Fürsten und Bürgern ein Reichsbewußtsein.
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Der Friedensschwur zu Münster am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648
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Macht und Ansehen einzelner Staaten begannen zu wachsen. Allen voran blühte der brandenburgisch-
preußische Staat auf, in dem Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, energisch alle Kräfte für
den Wiederaufbau zusammenfaßte. Einen Aufstieg erlebte auch Österreich, dem in der Abwehr der
permanenten Türkenbedrohung eine neue Aufgabe erwuchs. Als diese Bedrohung in der zweiten
Belagerung Wiens 1683 einen Höhepunkt erlebte, erkannten die deutschen Fürsten noch einmal
ihre Verpflichtung und ihre abendländische Aufgabe und wehrten gemeinsam mit Polen den
türkischen Vorstoß ab.
Im Westen nutzte Ludwig XIV. die politische Schwäche Deutschlands, um die Machtposition
Frankreichs zu festigen und auszubauen. Die Einverleibung des Elsaß, die Besetzung Straßburgs
und die Verwüstung der Pfalz waren äußere Zeichen dieses französischen Vormachtstrebens und der
Zerrissenheit und Ohnmacht des Reiches. Im Spanischen Erbfolgekrieg maßen dann zwischen
1701 und 1713 Österreich und Frankreich noch einmal ihre Kräfte und zogen in unterschiedlichen
Bündnissen auch verschiedene Reichsfürsten in den Kampf, so daß Deutschland erneut zum
Kriegschauplatz wurde.
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Trotzdem nahmen sich die deutschen Fürsten den "Sonnenkönig" Ludwig und sein absolutes
Königtum zum großen Vorbild. War ihr Territorium auch noch so klein, so fühlten sie sich
doch als Herrscher von Gottes Gnaden mit voller Gewalt über ihre Untertanen. Aber es wäre falsch,
nur den Niedergang zu sehen; denn in den politisch zerrissenen Kleinstaaten blühte das geistige
und künstlerische Leben auf. Gegenseitige Rivalität stachelte weltliche wie geistige Fürsten an,
ihre Residenzen mit jenen Bauwerken zu schmücken, die heute zu den schönsten Zeugnissen
barocker Architektur in Deutschland zählen.
Politisch aber dominierte das Mittelmaß. Aus dem bunten Flecken- und Flickwerk der deutschen
Staaten hoben sich neben Preußen und Österreich nur noch Bayern, Sachsen und Hannover heraus,
die letzten beiden auch nur, weil ihre Dynastien zugleich über Polen bzw. England herrschten.
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Schloß Solitude in Stuttgart entstand in den Jahren 1763-1767 im Auftrag von Herzog Carl Eugen.
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Es ist die große Tragik von eineinhalb Jahrhunderten deutscher Geschichte, daß die politische
Entwicklung die beiden größten Teilstaaten zu unversöhnlichen Gegnern machte und damit die
Auflösung nur noch verstärkte. Nach dem Frieden von Utrecht, der den Erbfolgekrieg beendete,
hatte zwar Österreich noch ein eindeutiges Übergewicht im Reich, aber dann erfuhren in den
folgenden Jahrzehnten die Machtverhältnisse einen tiefgreifenden Wandel.
In Preußen führte
Friedrich Wilhelm I., der Enkel des Großen Kurfürsten, das Werk des Großvaters erfolgreich
weiter und schuf in den siebenundzwanzig Jahren seiner Regierung jenen straff organisierten
zentralistischen Beamtenstaat, der in den folgenden Jahrhunderten bis zu seiner Auflösung
1947 gleichzeitig auf Bewunderung wie auf Ablehnung stieß. Mit dem für die Bevölkerungszahl
überdurchschnittlich großen Heer gab er seinem Sohn Friedrich dem Großen eine schlagkräftige
Waffe, mit der dieser in drei Kriegen die preußischen Interessen gegenüber Österreich
durchsetzen und Schlesien als neue Provinz gewinnen konnte. Überlegenes militärisches Genie
des Königs, ruhmreiche Siege seiner Truppen und klangvolle Erinnerungsmärsche dürfen dabei
nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß Friedrich die Unterlegenheit Österreichs und
Maria Theresias kalt entschlossen ausnutzte und den Krieg mit voller Absicht vom Zaun
gebrochen hatte.
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Friedrich Wilhelm I. von Preußen
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Der 3. Schlesische Krieg, den wir auch den Siebenjährigen nennen, weitete sich erneut von einem
innerdeutschen Bruderkrieg zu einer europäischen Auseinandersetzung, bei der England auf
preußischer, Rußland und Frankreich auf österreichischer Seite teilnahmen. Das Ende mit dem
Sieg Preußens besiegelte zugleich auch das Ende des alten Reiches. Noch konnte niemand ahnen,
daß in ihm zugleich der Keim für einen Neubeginn lag; denn aus dem preußischen Staat sollten
die wesentlichen Impulse für die Gründung des Zweiten Deutschen Reiches kommen. Auch hieße es
Friedrich verkennen, wollte man ihn nur als Machtpolitiker sehen. Seine vom Geist der Aufklärung
geprägte Regierungsform des "aufgeklärten Absolutismus" wurde zum Vorbild für einen Wandel im
Staatsdenken, das den Bürger allmählich zu einer Mitverantwortung im Staat führte.
Die politische Agonie des alten Reiches fiel zusammen mit einer neuen geistigen Blüte, die vom
Bürgertum vor allem der Klein- und Mittelstaaten getragen wurde. Der Musenhof von Weimar, der
kleinen großherzoglichen Residenzstadt im Herzen Deutschlands, wurde zusammen mit dem Werk
Goethes und Schillers das große über die Zeiten hinweg wirkende Symbol einer geistigen Erneuerung.
Mit dem Ausbruch der französischen Revolution bahnte sich auch in Deutschland ein Wandel an.
Die neuen Ideen von Freiheit und Gleichheit erfaßten weite Kreise des Bürgertums. Die
Dynastien konnten den Revolutionstruppen nicht standhalten. 1801 fiel das linke Rheinufer an
Frankreich. 1803 wurden unter dem Druck Napoléons im sogenannten "Reichsdeputationshauptschluß"
die meisten deutschen Klein- und Kleinststaaten aufgehoben und die Großen mit deren
Territorien für die linksrheinischen Verluste überreich entschädigt. Ungewollt hatte damit
Napoléon den Weg zu einer neuen deutschen Einheit geebnet. Freilich sah es erst einmal so aus,
als sei die Auflösung für immer vollendet. Ein Teil der deutschen Fürsten schloß sich im
Rheinbund eng an Napoléon an. Franz I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen,
das längst nicht mehr existierte, zog nun endlich die Konsequenzen, legte die Kaiserkrone
offiziell nieder und nannte sich fortan "Kaiser von Österreich".
Doch es dauerte kein Jahrzehnt, und die politische Landschaft hatte sich völlig verändert.
Hybris und Niederlage Napoléons in Rußland weckten schlummernde nationale Kräfte, aus deren
Neubesinnung die Erhebung von 1813, das Zusammengehen der deutschen Staaten, Österreichs und
Rußlands und der Sturz Napoléons erwuchsen; zur Enttäuschung zahlreicher Patrioten aber nicht
ein neues deutsches Reich. Geschickt hatte der österreichische Staatskanzler Metternich die
partikularistischen Tendenzen auf dem Wiener Kongreß gefördert und statt eines neuen Reiches
nur einen losen Staatenbund geschaffen, in dem in den folgenden drei Jahrzehnten alle
nationalen und liberalen Kräfte hart unterdrückt wurden.
Aber sie waren stark genug, um 1848 erneut den Versuch einer Einigung zu unternehmen. Während
der Wochen der Revolution ging es nicht nur um die liberalen Tendenzen in den deutschen
Einzelstaaten, sondern in der Paulskirche zu Frankfurt am Main versuchten gleichzeitig
Delegierte des ganzen Volkes aus allen Teilen des alten Reiches ein neues zu schaffen. Daß die
groß- wie die kleindeutsche Lösung mißlang, war gleichermaßen die Schuld Österreichs wie Preußens,
sowohl die habsburgische wie die hohenzollernsche Dynastie versagten. Erneut, wie schon im
18. Jahrhundert, lebte der alte preußisch-österreichische Dualismus wieder auf und strebte
einer gewaltsamen Lösung zu.
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Die Nationalversammlung
in der Paulskirche
zu Frankfurt 1848
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Es war der Verdienst des preußischen Ministerpräsidenten
Bismarck, daß er zwar bewußt auf eine Vormachtstellung Preußens hinarbeitete, zugleich aber
in Österreich einen möglichen Verbündeten erkannte. Die Richtigkeit seiner maßvollen Haltung
nach dem preußisch-österreichischen Krieg von 1866 bestätigte sich schon wenige Jahre danach.
Der deutsch-französische Krieg von 1870/71 brachte den deutschen Einzelstaaten mit dem
gemeinsamen Kampf schließlich die erhoffte Einigung, wenn auch unter kleindeutschem
Gesichtspunkt, d.h. unter Ausschluß Österreichs. Dieses ging von da an seinen eigenen Weg
mit unheilvoller Blickrichtung nach dem Balkan, blieb aber mit dem deutschen Reich verbündet.
Das zweite Reich, wie es genannt wurde, war ein Bundesstaat, der den einzelnen Fürsten zwar
ihre Souveränität, Preußen jedoch ein deutliches politisches Übergewicht gewährte. Wieder
einmal schien eine neue Ordnung auf lange Zeit gefestigt, zumal der neue Reichskanzler
Bismarck durch ein ausgeklügeltes Bündnissystem dem Reich innerhalb der europäischen Staaten
eine friedliche Entwicklung sicherte. Aber der "Neue Kurs" des jungen, ehrgeizigen Kaisers
Wilhelm II. stellte diese Entwicklung schon nach zwei Jahrzehnten in Frage, isolierte Deutschland
außenpolitisch und führte es in die Katastrophe des ersten Weltkriegs.
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Der Versailler Friede von 1918 engte zwar die Grenzen in Ost und West ein, aber das Reich blieb
bestehen, erhielt endlich sogar jene demokratisch- republikanische Ordnung, von der die
48er Revolutionäre geträumt hatten. Die Deutschen nutzten die sich ihnen bietende Chance
zu wenig.
Gewiß mochten die weltpolitische Entwicklung, die Weltwirtschaftskrise und die
zunehmende Radikalisierung eine gewisse Schuld tragen, daß die junge Weimarer Republik schon
nach fünfzehn Jahren ihres Bestehens in die Diktatur des nationalsozialistischen Dritten
Reiches abglitt.
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Nationalversammlung in Weimar
1919
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Für wenige Jahre gelang es zwar Hitler, durch die Annexion Österreichs, weiter Teile der
Tschechoslowakei und Polens die Grenzen des Reiches noch einmal zu erweitern, doch der
Zweite Weltkrieg, in den Hitler die Deutschen hineintrieb, brachte nicht nur den
"totalen Krieg", wie ihn die Nazi-Führung propagierte, sondern zugleich auch den totalen
Zusammenbruch. Die von Bismarck mühsam zusammengekittete Einheit brach auseinander, altes
Reichsgebiet im Osten, das in den Jahrhunderten der mittelalterlichen Kolonisation besiedelt
worden war, ging verloren. Der Rest wurde durch das Diktat der Sieger geteilt.
1949 wurde aus den drei westlichen Besatzungszonen die "Bundesrepublik Deutschland" als neuer
demokratischer Staat geschaffen. Gleichzeitig konstituierte sich in der sowjetischen
Besatzungszone die "Deutsche Demokratische Republik". Unter der Kanzlerschaft Konrad
Adenauers begann die überraschend schnelle Aufwärtsentwicklung der Bundesrepublik, die sich
wirtschaftlich und politisch in ein westeuropäisches Bündnissystem eingliederte und aktiv
die europäische Einigung förderte. Die DDR dagegen schloß sich eng an die Sowjetunion und
deren Verbündete. Damit wurde die deutsche Trennung vertieft. Die Mauer durch Berlin und die
streng bewachten Grenzen der DDR waren nur äußeres Zeichen einer Entwicklung, aus der in
den Zeiten des "kalten Krieges" kein Weg zu einem neuen politischen Miteinander zu führen schien.
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Vorbereitung des Grundgesetzes
der Bundesrepublik Deutschland
durch den Parlametarischen Rat
1948 - mit Konrad Adenauer
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fortgesetzt von Klaus Schmidt
Am Anfang der 60er Jahre war die Bundesrepublik Deutschland politisch und wirtschaftlich ein stabiler Staat.
Aus den Trümmern der Niederlage von 1945 war ein neues demokratisches Deutschland entstanden. Bundeskanzler
Konrad Adenauer hatte es durch die Mitgliedschaft in der NATO fest in die Gemeinschaft des Westens eingefügt.
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Immer mehr Ostdeutsche wünschten jedoch, die DDR verlassen zu dürfen. Da entstand im Sommer 1989 ein
"Loch". Die ungarische Regierung ließ DDR-Bürger ungehindert über Österreich in den
Westen ausreisen. So verließen bald Tausende über Ungarn (und bald auch über die CSSR und Polen) die
DDR in Richtung Westen.
In der DDR wurde der Wunsch nach Freiheit immer stärker. In vielen Städten demonstrierten im Herbst 1989
wiederholt bis zu 300.000 Menschen für mehr Freiheit und freie Wahlen. Die DDR-Regierung mußte nachgeben.
Am 9. 11. 1989 fiel die Mauer in Berlin. Jubelnd umarmten sich West- und Ostdeutsche. Die DDR begann sich
aufzulösen.
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Fall der Berliner Mauer
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Am 3. 10. 1990, seitdem der "Tag der deutschen Einheit", schlossen sich die Bundesrepublik und die DDR
zur neuen größeren Bundesrepublik zusammen. Die DDR verschwand.
Bücher, CDs, Videos... zum Thema
Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation
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